Nach der Vulkantour haben wir uns entschlossen schon ein bisschen in Richtung Süden, der Stadt Charters Towers zu fahren, unserem nächsten Ziel. Nach anderthalb Stunden haben wir in dem Örtchen The Lyndt einen kleinen Campingplatz an einer Tankstelle gefunden. Mehr gibt es in diesem Ort auch nicht. Und deshalb findet hier das ganze „Leben“ statt, an einer Tankstelle. Das ist besser als jeder Film, besser als jede geführte Tour. Das ist COOL! So hab ich mir das Outback vorgestellt: Viele endloslange Trucker (bestimmt 50 Meter lang), die hier halten, um nach Feierabend noch schnell ein Bier zu trinken. Arbeiter, die derzeit auf irgendwelchen Straßen im Umkreis zugange sind und hier in ihrem Truck pennen. Verdreckte Minenarbeiter, die hier Abwechslung zu ihren Mienenstation suchen, wo sie auch leben. Jung trifft auf Alt, Cowboyhut trifft auf Carohemd. Schade, dass meine Brüder das nicht gesehen haben, als sie hier waren, das hätte ihnen gefallen!
Wir sind hier Exoten unter den Einheimischen, werden aber schnell aufgenommen. Alle sind freundlich. Und just in diesem Moment sind wir auch wieder in ein Gespräch verwickelt über Buschfeuer hier in der Gegend. Es brennt hier des Öfteren – mal sind es Aboriginies, die Feuer legen. Dieses Mal war es ein Blitz. Aber meist werden die Feuer kontrolliert gelegt, um ein bisschen Bush in der Nähe des Nationalparks abzubrennen und so ein Übergreifen des Feuers verhindern.
Und jetzt zeigt mir eine Frau gerade Fotos von der kleinen Stadt Mount Surprise. Da wir es heute nicht in die Stadt geschafft haben, will sie mir auf Fotos die Unterschiede der Landschaft zeigen. Als nächstes zeigt sie mir Fotos von "ihrer" Kunst, die sie daheim herstellt. Sie bemalt die Schädel von toten Tieren. Die findet sie an der Straße, bemalt sie und verkauft sie dann. Na dann...die haben schon alle einen kleinen Knall. Und im nächsten Moment bringt uns die Frau von der Tankstelle leckere Riesen-Burger. So lässt es sich doch leben!
Spät am Abend lernen wir zwei Jungs aus Bonn kennen, die hier seit 2 Wochen leben und arbeiten. An dieser gottverlassenen Stelle der Erde. Schon skurril. Sie hatten einen Aushang im Hostel in Cairns gelesen und wussten auch nicht recht, was auf sie zukommen würde. Nun werden sie hier noch weitere 6 Wochen in der Einsamkeit arbeiten. Aber sie lieben es und nach ihren Erzählungen kann ich das sehr gut nachvollziehen. Sie verdienen zwar nicht so viel Geld, können aber umsonst übernachten und bekommen das ganze Essen. Und ganz wichtig: Sie können hier kein Geld ausgeben! Was die hier alles in ihren ersten 2 Wochen erlebt haben ist fantastisch: So berichten sie uns, dass eine Tankfüllung für so ein riesen Truck 700 Dollar kostet und das Aufladen des Tanks eine Ewigkeit dauert. Gestern haben sie hier einen Truck gesehen, der vorne dran tote Körper von Kanguruhs mitschleppte. Einmal monatlich kommt in diese verlassene Gegend eine Krankenschwester, die alle Kinder untersucht. Und am 2.12. kommt der Frisör zur Tankstelle, d.h. alle aus der Umgebung reisen an, um sich die Haare schneiden zu lassen. Und wenn jemand in ein Krankenhaus muss, kommen die Flying Doctos per Helikopter und landen auf der Hauptstraße. Schlangen gibt es hier wohl auch zwischendurch. Dann kommen die Cowboys gleich mit einem Gewehr, um sie zu erlegen. Und im See um die Ecke gibt es wohl auch Krokodile.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen